Hintergrund

Der Guide ist als Webapp jederzeit und überall abrufbar. Sein volles Potentiel entfaltet er vor Ort im Museum.

Unsere Nachhaltigkeitskriterien

Nachhaltige Mode ist in der Realität nicht zu 100 Prozent umsetzbar. Oder doch? Oder geht es darum, so gut wie möglich zu handeln?

Für uns steht fest. Auch kleine Schritte zählen. Der Weg der Mitte und das individuell Machbare helfen dabei, viele Menschen zu erreichen. Gleichzeitig geht es um den unverzichtbaren Schutz unserer Umwelt – Eine Gratwanderung.

  • Positivität
    für Selbstwirksamkeit und Emotion

  • Regionalität
    mit globaler Fairness

  • Technische Entwicklungen
    zur Schonung von Rohstoffen

  • Ideen (Innovation)
    vom Bio-Anbau bis zu neuen Nischen

  • Qualität
    für lange Nutzung, mehr Textilhandwerk und Wertschätzung

Nach diesen Kriterien wurden die Guidethemen und Stationen ausgearbeitet.

Unsere Guidethemen

Rohstoffe | Mehr Vielfalt. Mehr Leben.

Mehr Vielfalt bei Textilfasern bedeutet mehr Zukunftsfähigkeit. Nachhaltig erzeugte, nachwachsende und biologisch abbaubare Fasern unterstützen die natürliche Biodiversität und reduzieren den Einsatz fossiler Rohstoffe.

  • Bio-Anbau von Naturfasern, wie Baumwolle, Hanf, Flachs

  • Innovative Fasern wie Milchproteinfasern

  • Kompostierbare Materialien und Textilien

  • Einsatz weniger bedenklicher Chemikalien

Produktion | Neugedacht!

Nachhaltige Entwicklung, Innovation und Forschung treiben eine ressourcenschonendere Modeproduktion voran – für weniger Treibhausgase und geringere Umweltbelastungen.

  • Herstellerverantwortung durch transparente Lieferketten

  • Nutzung regionaler Ressourcen

  • Kreislauffähiges Produktdesign

  • Recycling von Alttextilien und Plastik

  • Alternative Veredelungs- und Färbeverfahren

Arbeit | Gute Bedingungen.

Faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen sind die Basis menschenwürdiger Arbeit. Nähhandwerk und Reparatur stehen für Qualität und Langlebigkeit – und nehmen einer Fast Fashion den Wegwerf-Charakter.

  • Faire Bezahlung, von der Menschen leben können

  • Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen

  • Respekt und Anerkennung der Arbeit

  • Schutz vor Ausbeutung, Diskriminierung und Zwang

  • Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte

  • Planbare Arbeitszeiten und soziale Absicherung

  • Langlebige, reparierbare Kleidung dank Nähhandwerk

Modekonsum | weniger Kauf, mehr Wert!

Nachhaltige Mode entlastet die Umwelt, stärkt faire Produktion und verbindet Stil mit Qualität und Verantwortung. Es geht darum, Kleidung länger zu tragen, umzugestalten, zu reparieren – also bewusst zu nutzen.

  • weniger, aber bewusster konsumieren

  • Kleidung länger tragen und pflegen

  • reparieren sowie weiternutzen statt wegwerfen

  • Qualität und faire Produktion wertschätzen

  • nur kaufen, was wirklich gebraucht wird

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Textilproduktion im Wandel?

Schon lange gilt die Erkenntnis, dass die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Trotz dieser Kenntnis über die planetaren Grenzen, trotz Regeln und freiwilligen Versprechen bleiben bis heute große Herausforderungen.

Schnelle Mode

Industrialisierung und Globalisierung beeinflussen die Modeproduktion maßgeblich. Ultra-Fast-Fashion bzw. Real-Time-Fashion mit Produktions- und Verkaufszyklen unter 14 Tagen verstärkt den Massenkonsum in der Fast-Fashion-Industrie. Kleidung verliert schnell an Qualität oder gilt durch stets neue Trends als veraltet. Diese geplante und wahrgenommene Obsoleszenz prägt unsere Kaufentscheidungen.

Umweltkosten

Die Textilindustrie verursacht hohe Umweltkosten: Sie verbraucht große Mengen an Wasser, Energie und Rohstoffen, setzt Treibhausgase frei, verschmutzt Gewässer und trägt zum Verlust von Biodiversität bei.

Arbeit ohne Würde

Rund 60.000 Menschen arbeiten weltweit in der Textil- und Bekleidungsindustrie – etwa 75 Prozent davon im Globalen Süden. Für den schnellen Konsum in Industrienationen entstehen andernorts harte soziale Realitäten: Zwangsüberstunden, Gewalt und fehlende Arbeitsverträge.

Heute braucht es transparente Lieferketten, faire Standards sowie langlebige und kreislauffähige Produkte. Bewusste Kaufentscheidungen treiben den Wandel voran. Sie schließen die berühmte Lücke zwischen der bloßen Absicht und dem wirklichen Handeln.

Bewusster Konsum als Treiber

Dem schnellen, billigen Konsum stehen bewusste Entscheidungen gegenüber – sowohl im Alltag als auch in der Wirtschaft. Nachhaltigkeit stellt keinen Trend dar, sondern eine neue Art zu leben und zu wirtschaften. Im Einklang mit den eigenen Werten und der Umwelt.

Zum Beispiel beim Kleidungskauf: Wer sich für fair produzierte, langlebige oder Secondhand-Mode entscheidet, verringert Umwelt- sowie Klimabelastungen und unterstützt bessere Arbeitsbedingungen

Politische Regeln mit Wirkung

Zwei positive Gesetzesentwicklungen:

Die neuen Lieferkettengesetze erfassen nur einen Teil der Textilindustrie. Sie bilden aber einen ersten Schritt zu mehr Transparenz und verpflichten Unternehmen zur Risikoanalyse sowie Berichterstattung über mögliche Verstöße wie Kinderarbeit und Umweltzerstörung.

Kreislaufwirtschaftsgesetze drängen zusätzlich auf ein Ende der Wegwerfkultur: Produkte müssen so gestaltet werden, dass sie recycelt werden können. Unternehmen tragen damit Verantwortung für das, was sie an Produkten in Umlauf bringen.

Unternehmen tragen Verantwortung

… und treffen Entscheidungen.

Kleine und mittelständische Unternehmen sind mit strukturellen Hürden konfrontiert, wie hohe Zertifizierungskosten und komplexe Lieferketten. Sie treiben aber durch regionale Produktion und Flexibilität nachhaltige Innovationen voran.

Große Unternehmen verfügen über die Marktmacht durch Investitions- und Auftragsvolumen. Ihnen kommt somit eine besonders große Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt zu: Die Verpflichtung zu einer Corporate Social Responsbility (CSR) darf keine freiwillige Leistung Einzelner bleiben.



Nachhaltigkeitsmodelle im Vergleich

Felix Müller, CC BY-SA 4.0
Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit – Jeder Bereich wird als gleich wichtig und gleichberechtigt angesehen. Aussage: Nachhaltigkeit kann nur bei gleichwertiger Rücksichtnahme auf alle drei Bereiche erreicht werden.
Felix Müller, CC BY-SA 4.0
Vorrangmodell der Nachhaltigkeit – Einzelne Bereiche werden in ihrer Beziehung und Abhängigkeit zueinander gesehen. Aussage: Keine Wirtschaft ohne eine Gesellschaft, keine Gesellschaft ohne Okologie.

Nachhaltige Entwicklung

Die nachhaltige Entwicklung in der Textilindustrie macht Fortschritte, verläuft aber insgesamt deutlich langsamer als viele Klima-, Umwelt- und Sozialziele erfordern.

Stand 2026: Insbesondere neuere Gesetze verändern sich stetig. Internationale Richtlinien beziehen sich auf die Umsetzung in Deutschland.

  • 2028 – Europäisches Lieferkettengesetz

    In Kraft seit 2024, Überführung in nationales Recht bis 2028 für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten und einem weltweiten Nettojahresumsatz von 
1,5 Milliarden Euro.

  • 2026 – Verschärfung Kreislaufwirtschaftsgesetz

    Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien und Schuhe

  • 2025 – Verschärfung Kreislaufwirtschaftsgesetz

    getrennte Sammlung von Alttextilien und erweiterte Herstellerverantwortung

  • 2023 – Deutsches Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

    Für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeiter, wird den europäischen Richtlinien angepasst

  • 2002 – Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

    Umsetzung der Agenda 2030 in Deutschland

  • 2015 – Agenda 2030

    Globales Abkommen handlungsleitender Prinzipien

  • 1992 – Rio-Konferenz

    Völkerrechtlich verbindliche Verträge für internationale Umweltpolitik

  • 1987 – Brundtland-Bericht

    Konzept Nachhaltige Entwicklung der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen: Unsere gemeinsame Zukunft

  • 1972 – Club of Rome

    Denkfabrik: Die Grenzen des Wachstums

Der Begriff Nachhaltigkeit entstand im 18. Jahrhundert in der Forstwirtschaft. Dabei ist die Idee von Nachhaltigkeit älter als viele denken. Schon im Mittelalter wusste man, dass Ressourcen nicht endlos sind – diese Erkenntnis zwang von Natur aus dazu, sparsam zu wirtschaften.

Die taoistische Umweltethik reicht sogar bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zurück. Konkrete Naturschutzpraktiken sind spätestens seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. belegt. Rücksicht auf die Natur ist also keine Erfindung der Moderne, sondern schon lange von Bedeutung.



Quiz: 17 Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung

17ziele.de
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